Umsatzentwicklung
Wachsende Umsätze, langfristig sinkender Trend
Zwar stiegen die Medianumsätze von 10.247 Euro in Q1 2025 auf 11.305 Euro in Q4 2025, jedoch ist ein Großteil dieses Wachstums saisonal bedingt. Langfristig zeigt sich weiterhin ein klarer Rückgang: Seit Q3 2023 sank der Medianumsatz um 22 %.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die zunehmende Dominanz großer sowie internationaler Anbieter wie Temu und Shein. Kleine und mittelgroße Shops geraten dadurch stärker unter Druck. Hinzu kommen steigende Werbekosten und Vorteile großer Plattformen bei Reichweite und Skalierung. Insgesamt konzentriert sich der Markt zunehmend auf wenige große Player.

Kleine Online-Shops besonders betroffen
Die Umsatzentwicklung nach Shop-Größe zeigt deutliche Unterschiede. Shops mit mehr als 1 Mio. Euro Jahresumsatz wachsen um 7,6 %, während kleine Shops unter 50.000 Euro Umsatz 12,3 % verlieren.
Die mittleren Umsatzklassen bewegen sich dagegen weitgehend seitwärts. Besonders schwach entwickelt sich das Segment zwischen 100.000 und 250.000 Euro mit einem Minus von 2,4 %. Insgesamt verdeutlichen die Daten eine klare Verschiebung zugunsten größerer Anbieter.

Branchenvergleich
Nicht jede Branche verliert
Einige Branchen entwickeln sich trotz schwierigem Marktumfeld positiv. Besonders stark wachsen Wohnmöbel (+14 %), Bettwaren (+12,9 %) sowie Lampen & Leuchten und Fach- & Baumarkt (je +12,4 %). Auch Elektrogeräte legen deutlich zu.
Schwächer entwickeln sich hingegen 3D-Drucker (-12,2 %), E-Scooter (-10,6 %), Reisegepäck (-8,5 %) und KFZ-Zubehör (-6,8 %).
Insgesamt zeigt sich eine klare Zweiteilung: Kategorien rund um Heim und Wohnen profitieren weiterhin, während Tech-, Trend- und Commodity-Produkte stärker unter Preisdruck und internationalem Wettbewerb leiden. Anbieter mit Spezialisierung, Qualität und Beratung können sich dagegen weiterhin behaupten.

Bestellwert
Höhere Warenkörbe trotz schwacher Nachfrage
Der Medianbestellwert entwickelt sich stabil bis leicht steigend. Nach einem Rückgang auf rund 75 bis 76 Euro im Jahr 2024 steigt er bis Q4 2025 wieder auf 83 Euro an.
Da sich die Umsätze insgesamt rückläufig entwickeln, deutet vieles darauf hin, dass dieser Anstieg vor allem auf höhere Preise und weniger auf eine steigende Nachfrage zurückzuführen ist.
Shopsysteme
Shopify dominiert den Markt – JTL-Shop an 3. Stelle
Shopify führt den deutschen Shopsystem-Markt mit 31,7 % Marktanteil klar an. Dahinter folgen Shopware (25,7 %) und JTL-Shop (14 %). Zusammen vereinen diese drei Systeme mehr als 70 % des Marktes.
PlentyMarkets (8,8 %) und WooCommerce (6,2 %) folgen mit deutlichem Abstand. Eigenentwicklungen spielen mit 2,7 % nur noch eine geringe Rolle.
Die Entwicklung zeigt deutlich: Händler setzen zunehmend auf standardisierte, skalierbare Plattformen. Mit JTL ist man bei einem der führenden Anbieter im DACH Bereich.

Einordnung
Expertenkommentar
Laut Julian Craemer, CEO und Co-Founder von uptain, befindet sich der deutsche E-Commerce nicht in einer Schrumpfungsphase, sondern in einer Neuverteilung des Marktes. Große Plattformen gewinnen Marktanteile, während kleinere Shops unter Druck geraten.
Erfolgreich bleiben vor allem Anbieter, die sich über Qualität, Spezialisierung und Kundennähe differenzieren können. Austauschbare Produkte haben es dagegen zunehmend schwer gegenüber den Skaleneffekten großer Plattformen.
Fazit
Der deutsche E-Commerce befindet sich in einer Phase der Konsolidierung. Große Shops wachsen, kleine verlieren Marktanteile. Internationale Plattformen verschärfen den Wettbewerb zusätzlich – insbesondere bei preisgetriebenen und austauschbaren Produkten.
Während Kategorien rund um Heim und Wohnen weiter wachsen, verlieren Tech- und Trendsegmente an Umsatz. Gleichzeitig konzentriert sich auch die technische Infrastruktur zunehmend auf wenige große Shopsysteme. Der Markt belohnt damit vor allem Spezialisierung und Skalierbarkeit.

